Mir ist aufgefallen, daß wir oftmals verlernt haben, unsere Dankbarkeit auszudrücken – gerade im Berufsleben – da wir viele Dinge, gar nicht bewußt wahrnehmen oder so schnell drüber hinweg gehen, daß wir uns nicht die Zeit für die Wertschätzung des Anderen durch ein Danke nehmen.
Vor 2 Jahren haben die Inhalber in unserem Unternehmen „Taler“ eingeführt, die durch die Mitglieder der Geschäftsführung an die Mitarbeiter als Danke für besondere Ideen oder auch gute Leistungen verteilen. 1 Taler hat den Wert von 1 Euro. 2 mal pro Jahr können die Taler gegen Bargeld eingetauscht werden.
Obwohl ich selbst der Idee sehr positiv aufgeschlossen war, ist mir nach einigen Monaten mit Schrecken aufgefallen, daß ich noch gar keine Taler ausgegeben hatte. Nicht etwa, weil keiner in meinem Team gute Leistungen oder Ideen gebracht hatte. Nein, viel schlimmer, weil ich die Leistungen oder Ideen nicht bewußt als solche wahrgenommen und gewürdigt habe. Das hat mich beschämt. So vieles war für mich offensichtlich so selbstverständlich und durch meine mangelnde Aufmerksamkeit für die guten Leistungen oder Ideen meines Teams habe ich ihnen dieses Danke in Form von Talern durch meine Unaufmerksamkeit verwehrt.
Also habe ich erstmal begonnen und mir einen Mini-Zettel mit der Aufschrift „Taler, Taler“ an meinen Bildschirm geklebt. Schlimm genug, daß ich mich erstmal bewußt darauf schulen mußte, Dinge wahrzunehmen, für die ich Danke sagen wollte. Der kleine Aufkleber hat jedoch seine Wirkung gezeigt. Auch wenn ich anfangs noch immer mal wieder die Erinnerung durch ihn brauchte, um besonders achtsam für die positiven Dinge, für die ich mittels Taler Danke sagen wollte, zu werden.
So habe ich im laufe der Monate ein echtes Achtsamkeitstraining durchlaufen und heute bin ich sehr genau in meiner Wahrnehmung und weiß um die Kraft des Danke Sagens. Auch geht es nicht mehr nur noch um Taler, die der Mitarbeiter als Danke bekommt. Oftmals ist es einfach nur das persönliche Danke, das Wort, die Geste, die Zeit, die ich mir nehme, um jemandem konkret für etwas Danke zu sagen. Es entsteht im Miteinander ein sehr schönes Gefühl der Verbundenheit – ich werde beschenkt durch das, wofür ich mich bedanken darf und der Mitarbeiter ist beschenkt dadurch, daß eben doch nicht alles für selbstverständlich genommen wird uns seine Leistung gesehen und gewürdigt wird.
Auch ich bin zugleich Vorgesetzte und Mitarbeiterin und kenne beide Seiten der Medaille – die des „Danke-Schenkens“ und des „Danke-Erhaltens“. Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß das Verschenken von Dankbarkeit nicht nur ein schönes Erlebnis für den anderen ist, sondern auch ein Geschenk, daß man sich selbst macht.
Es braucht sicherlich keine Taler, um im Unternehmen Dankbarkeit auszudrücken. Sie waren jedoch ein gutes Werkzeug und Hilfsmittel, um die Aufmerksamkeit, die es eben braucht, um gezielt Dankbarkeit auszudrücken, zu schulen. Denn ein allgemeines „Danke für alles, das war wie immer mal wieder gut“ ist nicht die Art von Danke, die auf fruchtbaren Boden fällt.
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